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Interview von Tobias Nagler:

Rupert Meister hat an diesem Vormittag einige Termine. Erst das Treffen mit der Stadtverwaltung, um den Empfang von Marco Sturm mitvorzubereiten. Dann eine Besprechung mit Teilen des EVL-Vorstands. Zwischendrin findet der 53-jährige Nachwuchs-Cheftrainer des EV Landshut noch Zeit für ein Interview mit der Landshuter Zeitung.

Herr Meister, am Sonntagabend wurden wir in der Sportredaktion kurzzeitig etwas unruhig. Das DNL-Team lag gegen Rosenheim hinten, Dresden in Bad Tölz vorne. Die sicher geglaubte Qualifikation für die neue „U 20-Division I“ war auf einmal gar nicht mehr so sicher.

 

Rupert Meister: Das ging mir genauso. Wir haben nicht gut gespielt, sind mit wenig defensiver Verantwortung ans Werk gegangen. Deswegen habe ich bereits nach vierzehn Minuten eine Auszeit genommen. Das Team zeigte, entgegen zum Vortag, ein sehr unkonzentriertes Bild.

 

Auch die Schwächen des angesetzte Relegationsmodus wurden gegen Ende der Runde deutlich . Was erwartet man von Bad Tölz ? Sie waren seit einer Woche durch und haben sich sicher nicht die Hax’n ausgerissen. Playdowns wären hier wohl besser gewesen.

Letztlich gelang Ihrer Mannschaft die Quali.

 

Meister: Der Klassenerhalt der höchsten Deutschen Nachwuchsliga, ist meiner Ansicht nach für den angetretenen Konsolidierungsprozess unserer Organisation – ein sehr wichtiger Baustein. Die Herausforderung wird sein, klug mit dieser neuen Konstellation umzugehen und die richtigen Weichen zu stellen. Es gibt nicht viele Standorte, an denen eine Integration von Nachwuchsspielern, im Sinne eines Gesamtkonzepts, so vorangetrieben werden kann. Hier würden sich etliche Mitstreiter glücklich schätzen. Eine Oberliga- respektive Zweitligamannschaft am Standort zu haben und mit einem Team in der höchsten Juniorenklasse vertreten zu sein, birgt viel Potential. Das ist bei DEL-Clubs nicht gegeben. Dort bekommen Spieler mittels Förderlizenzen Spielpraxis. Wenn es so bleibt wie jetzt, ist das schon ein Standortvorteil. 

 

Ganz naiv gefragt: Wie schlimm wäre der Abstieg gewesen ?

 

Meister: Meine größte Befürchtung war, dass bei Nichterreichen der „Division I“ unsere Perspektivspieler künftig viel früher zu sportlich höherklassigen Clubs gewechselt wären und wir dem wenig entgegenzusetzen hätten. Chancen auf Nominierungen zu Nachwuchs-Nationalmannschaft sind in der Division II auch wesentlich geringer.

 

Andersherum dürfte sich der EVL vor Anfragen von Nachwuchsspielern nun kaum retten können.

 

Meister: Inwieweit Auswärtige auf uns zukommen, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, weil das alles noch frisch ist. 

 

Viele fragen sich ohnehin, warum der DEB seinen Nachwuchsbereich schon wieder reformiert. Die Einführung des Fünf-Sterne-Programms ist erst ein paar Jahre her.

 

Meister: Die Einführung des Fünf-Sterne-Programms war ein erster guter Schritt. Die Vereine waren gezwungen etwas zu tun. Durch die jetzige Reform, wird der Fokus noch mehr auf den Leistungssport gelegt. Der Gedanke ist, die Spitze zu zentrieren. Da kann man geteilter Meinung sein. Wir gehen jetzt mal diesen Schritt. Ob er uns etwas bringt, wird sich zeigen.

 

Welche Risiken sehen Sie in der neuen Ligen-Aufteilung?

Ohne Schutzmechanismen, also Ausbildungsentschädigungen, für Vereine, laufen wir nach wie vor Gefahr, dass die positiven Auswirkungen des Fünf-Sterne-Programms nicht aufrechterhalten werden können. Für mich stellt sich die Frage: Inwieweit werden Clubs noch in diese Programme investieren, wenn möglicherweise am Ende kaum Spieler auf direktem Weg für die eigene Profi-Mannschaft ausgebildet werden?

Mannheim, Berlin oder Köln – schaut man sich die Kaliber in der neuen ersten Liga an, warten auf den EVL auch künftig große Herausforderungen.

 

Meister: Das neue Leistungssegment „U 20-Division I“ ist für alle Neuland, wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wir wollen uns immer mit den Besten messen. Außerdem können wir in dieser Liga unsere Spieler auf höchstem Niveau ausbilden – wenn auch tatsächlich die besten Spieler in dieser U20-Liga spielen.

 

Was sind die Voraussetzungen, dass der EVL dauerhaft auf diesem Niveau konkurrenzfähig bleibt?

 

Meister: Wir müssen unser Umfeld weiter professionalisieren uns entsprechend aufstellen. Dafür brauchen wir Unterbringungsmöglichkeiten für auswärtige Spieler bei Gastfamilien sowie Ausbildungsplätze. Dazu müssen wir gewährleisten, dass sich das sportliche Ausbildungsniveau entsprechend der steigenden Anforderungen an unsere Sportart weiterentwickelt. All das ist nur mit viel Herzblut und breiter finanzieller Unterstützung aus der hiesigen Wirtschaft möglich. Mit der Qualifikation für die höchste Junioren-Liga haben wir eine große Chance für den ganzen Standort, die wir einfach nutzen müssen.   Wieso sollen wir nicht dieses Ziel verfolgen und den letzten Schritt gehen um mal einen anderen Weg zu gehen und aus der eigener Kraft wieder gemeinsam zu alter Stärke des EV Landshut zu erwachsen? Wird sind nicht mehr weit davon entfernt.

 

Ein wichtiges Thema ist auch die Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport. Welche Pläne hat der EVL auf diesem Gebiet?

 

Meister: Uns als Verein ist es wichtig, dass wir ein Duales-System verfolgen. Nur Eishockeyspieler – das reicht nicht mehr. Da haben wir eine Verantwortung. Wir arbeiten schon intensiv mit Kooperationsschulen zusammen, die unseren Spielern durch den Stundenplan die Möglichkeit für ein individuelles Training am Vormittag einräumen. Das hat schon sehr gut geklappt und wird auch ausgebaut. Für mich ist dieser Bereich der Schlüssel zu einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit in Landshut. Hier müssen wir den Sportlern die richtige Perspektive bieten und ein attraktives Gesamtpaket schnüren.

 

Die Anforderungen werden freilich auch abseits der Schule immer höher. Eishockey ist ein geld- und zeitintensiver Sport.

 

Meister: Klar. Das kostet alles Geld. Wir sind froh, dass wir immer wieder Menschen haben, die uns finanziell oder auch mit ihrem Engagement für die Sache unterstützen. Die Eltern müssen vieles selbst leisten. Hinzukommt der Faktor Zeit. Nehmen Sie die Eckzahlen beim DNL-Team: 180 Athletiktrainings, 135 Eis-Einheiten und 54 Spiele. 11 000 Kilometer im Bus, täglich mindestens 2,5 Stunden Training seit 2. Mai 2017. Einer wie Alex Dersch kommt durch die Einsätze bei der Nationalmannschaft sogar auf 80 Spiele.

 

Wobei die Jungen doch vermutlich lieber spielen als trainieren.

 

Meister: Sicher. Aber die Entwicklung kommt über das Training. Mit einer ausgewogenen Balance der Spielanteile. Nur Spiele, da lasse ich was liegen. Junge Spieler brauchen Zeit – und wir müssen Geduld mit ihnen haben. Das Hirn wächst nicht so schnell wie der Körper. Das Junioren-Hockey ist viel besser, als es von vielen wahrgenommen wird. Es ist technisch anspruchsvoll und sehr temporeich. Das ist modernes Eishockey, allerdings mit mehr Fehlern als bei den Erwachsenen. Und das ist auch gut so.

 

Das DNL-Team schaffte die Qualifikation für Liga eins. Die Schüler bleiben auch erstklassig. Die Knaben kommen beim DEL-Cup, der inoffiziellen deutschen Meisterschaft, auf Platz fünf – als einzige Nachwuchstruppe eines Oberligisten neben zwölf DEL- oder DEL2-Clubs. Und die Kleinschüler holen sich die „Bayerische“. Zusammengefasst war die Saison 2017/18 für den EVL ein Erfolg – zufrieden?

 

Meister: Das ist natürlich eine tolle Bilanz. Wir wissen auch, dass wir in unserer Entwicklung nicht stehenbleiben dürfen. Wir haben eine gute Basis und sehr gute Trainer, haben aber noch einige Hausaufgaben zu machen, die wir nur gemeinsam lösen können. Außerdem sollten wir uns auch nicht immer nur an einer Meisterschaft messen. Sondern daran, ob wir das maximale Leistungspotenzial der Jugendlichen fördern. Es wird nicht jeder Profi. Wir wollen ambitionierten Spielern die Möglichkeit geben, deren Ziele zu verwirklichen. Mir geht es vor allem darum, dass hier jeder etwas für sein weiteres Leben mitnimmt. Das ist ein wesentlicher Punkt unserer Philosophie.

 

 

Quelle: Tobias Nagler / LZ